Ich denke. Aber bin ich?
KI und das Rätsel des Bewusstseins
HER
1 Einführung und anschließende Diskussion mit dem Dramaturg und Drehbuchautor Oliver Schütte
Wenn wir auf einen anderen Menschen treffen, dann nehmen wir sein Äußeres war und können ihm in die Augen schauen. Viele Faktoren spielen dann eine Rolle, ob wir uns in diesen Menschen verlieben können, oder eben nicht. Doch für Theodore Twombly ist das alles nebensächlich, denn er verliebt sich vielmehr in eine Stimme. Mehr bleibt ihm auch nicht übrig, denn seine Herzensdame Samantha ist körperlos. Sie ist lediglich die Stimme von Theodores neuem Betriebssystem, das über eine künstliche Intelligenz verfügt und anscheinend auch Emotionen aufbauen kann. Die zärtliche Stimme kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Theodore trudelt etwas haltlos durchs Leben. Er verfasst zwar gefühlvolle Briefe für Kunden, denen die richtigen Worte fehlen, doch in seinem eigenen Leben sieht die Welt nicht ganz so rosig aus. Nachdem seine langjährige Beziehung in die Brüche ging, hat er sein Lächeln verloren. Doch dann kommt Samantha in sein Leben und er fühlt sich zu der lieblichen Stimme sofort hingezogen und auch sie scheint nicht abgeneigt zu sein. Schnell entwickeln sich Gefühle, die weit über eine bloße Schwärmerei hinausgehen, doch seine Umwelt betrachtet die Entwicklungen kritisch. Kann so eine Liebe überhaupt funktionieren, wenn lediglich die Stimme vorhanden ist? Kann eine Beziehung eine Chance haben, wenn das Körperliche abwesend ist? (kino.de)
Denn viel aktueller ist HER mit seiner Warnung vor den Folgen des emotionalen Kapitalismus. Die Soziologin Eva Illouz beschrieb ihn ungefähr so: Während das Kapital Geld mit Emotionen und Gefühlen generiere, würden Menschen auf persönlicher Ebene zu neoliberalen, eigensinnigen Selbstoptimierern. So auch Theodor Twombley in HER. Er verdient sein Geld mit feinfühligen, personalisierten Grußkarten für andere, aber scheitert im Zwischenmenschlichen. Auch weil es ihm und allen um ihn herum nur noch um sich selbst geht. (BR)
HER US 2013, R: Spike Jonze, B: Spike Jonze, K: Hoyte van Hoytema, M: Arcade Fire, Sch: Jeff Buchanan, Eric Zumbrunnen, D: Joaquin Phoenix, Scarlett Johansson, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Chris Pratt, Matt Letscher, 126 Min, FSK 12, OmU
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