Premiere
Rumänisches Kino nah am Zeitgeschehen
KONTINENTAL '25
Cluj, Transsilvanien. Nachdem er aus seinem Unterschlupf im Keller eines Hauses vertrieben wurde, begeht ein obdachloser Mann Selbstmord. Orsolya, die Gerichtsvollzieherin, die die Räumung vollstreckt hat, unternimmt in der Folge verschiedene Versuche, ihr Gewissen zu beruhigen. In einer Mischung aus Drama und Komödie seziert der Film messerscharf Themen wie Wohnungsnot, postsozialistische Wirtschaft, Nationalismus und die Macht der Sprache zur Aufrechterhaltung des sozialen Status. Der Film ist wie sein Titel eine Hommage an Rossellinis EUROPA ’51, was sich nicht zuletzt auch in der Bescheidenheit der Produktionsmittel zeigt. Doch während bei Rossellini die moralische Krise einer Frau in eine sinnvolle Tätigkeit mündet, findet die Protagonistin in KONTINENTAL ’25 in ihrem Dilemma niemanden, der sie versteht, und sucht immer verzweifelter nach Rückversicherung und Bestätigung von außen. (Berlinale)
Kontinental 25 wirkt im Vergleich zu Radu Judes vorherigen Filmen beinahe klein, schnell und mit leichter Hand hingeworfen und fast ohne die sonst für ihn kennzeichnenden essayistischen Einschübe. Die Skizzenhaftigkeit seiner filmischen Miniaturen aber sind genau das, was den Reiz dieses Films ausmacht, der wie ein sehr frischer, aktueller und jetziger Einwurf zur Verfasstheit Rumäniens in diesen Tagen wirkt, in dem die Vergangenheit wie auch die Zukunft durchschimmern in der eingefangenen, komprimierten Gegenwart dieses Ausschnitts. (Kinozeit)
RO 2025, R: Radu Jude, B: Radu Jude, K: Marius Panduru, Sch: Cătălin Cristuțiu, D: Eszter Tompa, Gabriel Spahiu, Adonis Tanta, 109 Min, FSK folgt, OmU