TITANE
1 Patrick Strasser, Musikdramaturg am Saarländischen Staatstheater
Als kleines Mädchen erhält Alexia nach einem Autounfall eine Titanplatte in den Schädel transplantiert. Die Narben über dem rechten Ohr lassen sich zwar durch ihr nachwachsendes Haar kaschieren, doch schon bald entwickelt sie eine körperliche Zuneigung zu Fahrzeugen. Bereits als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, würdigt sie ihre Eltern keines Blickes. (Verleih)
Vergleiche von Ducournaus Werk mit Cronenbergs CRASH oder auch Tsukamotos TETSUO: THE IRON MAN sind ebenso naheliegend wie unergiebig. TITANE zelebriert mit seinen wuchtigen Bildern und seinem bisweilen sakralen Soundtrack weit umfassender die Verschmelzung des Unvereinbaren. Mensch und Maschine, Muttermilch und Motoröl, Gewalt und Zärtlichkeit, Vaterliebe und erotische Liebe, oder auch Kunst und Trash – in dieser queeren Phantasmagorie wird neben dem Männlichen und dem Weiblichen auch alles andere fluid. Die verstörende Vieldeutigkeit des Films kann man wahlweise überspannt oder transzendent finden. Auch lässt der Extremismus der Inszenierung möglicherweise übersehen, dass TITANE eine sehr melancholische Studie der Einsamkeit ist. Was allerdings kaum zu übersehen ist: die famosen schauspielerischen Leistungen. Agathe Rousselle in der Hauptrolle ist eine sensationelle Entdeckung, und Vincent Lindon war nie faszinierender denn als Vater, der gegen jede Vernunft an dem Glauben festhält, seinen Sohn wiedergefunden zu haben. (epdFilm)
FR 2021, R: Julia Ducournau, FR 2021, R und B: Julia Ducournau, K: Ruben Impens, Sch: Jean-Christophe Bouzy, D: Agathe Rousselle, Adrien Vincent Lindon, FSK 16, 108 Min
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Saarländisches Staatstheater