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HBKsaar Gastprofessur

Katharina Thalbach

DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER

Wilhelm übergibt einem Verleger in Leipzig die Briefe seines Freundes Werther. Gemeinsam lesen sie, das Schicksal des jungen Mannes lebt vor ihren Augen auf. Auf einem Ball lernt Werther die junge Lotte, Tochter eines Amtmanns, kennen. Er wird ständiger Gast in ihrem Haus und ein Freund der Familie. Seine Liebe zu Lotte ist hoffnungslos, denn sie ist mit Albert verlobt, einem Mann, der ihr eine gesicherte Zukunft garantiert. Werther dagegen ist ein Schwärmer, der gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse aufbegehrt. Er trennt sich von Lotte, nimmt eine stupide Arbeit in der Kanzlei eines Gesandten auf. Die Unerträglichkeit der Arbeit und die Brüskierung durch dünkelhaften Adel lassen ihn fliehen und in die Umgebung von Lotte, die inzwischen mit Albert verheiratet ist, zurückkehren. Er bedrängt sie mit seiner leidenschaftlichen Liebe, doch sie weist ihn von sich. An seiner unglücklichen Liebe und dem Leben verzweifelt, wählt er den Freitod. (Defa)

Das Scheitern dieser Leidenschaft wird in einen gesellschaftlichen Kontext voller Widersprüche gestellt, der der schicksalhaften Begegnung zwischen Werther und Lotte eine andere Dimension als nur die private verleihen soll. (film-dienst)

Egon Günther in seinem letzten Kinofilm in der DDR findet seinen Weg durch Goethe Roman mit harten brüchigen Bildern. Die staatliche Repression und die von ihr geprägte Intoleranz treten hervor in einer drängenden Montage in der die Liebesgeschichte ein Fluchtpunkt ist. Nicht nur die unglückliche Liebe, das „Ganze“ treibt Werther in den Tod. Der phantasievolle Film schafft eine eigene Welt aufgeladen mit Erfahrungen der Gegenwart. (Wolfgang Gersch, Film in der DDR/die besten Jahre in Geschichte des deutschen Films)

DDR 1976, R: Egon Günther, D: Helga Schütz, Egon Günther; K: Erich Gusko, M: Siegfried Matthus, Wolfgang Amadeus Mozart, Sch: Rita Hille, D: Hans-Jürgen Wolf, Katharina Thalbach, Hilmar Baumann, Heinz-Dieter Knaup, Herwart Grosse, Dieter Mann, Klaus Piontek, FSK 6, 106 Min

kino achteinhalb: DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER