Staudtes 120. Geburtstag
WOLFGANG STAUDTE – FEIGHEIT MACHT JEDE STAATSFORM ZUR DIKTATUR
1 Im Anschluss Diskussion mit den Filmemacher*innen Uschi Schmidt-Lenhard und Klaus Gietinger
In den Film haben wir etliche Ausschnitte aus den wichtigsten Staudte-Filmen montiert, dazu O-Ton-Passagen von Staudte selbst und viele Aussagen von Zeitgenossen und Staudte-Kennern(*). Die Interviews haben wir selbst geführt. Weiteres Archivmaterial, das zum Teil sehr unbekannt ist, haben wir sorgsam recherchiert und kreativ komponiert. Vieles zeigt sich nun in neuem Licht. War Staudtes Mitläufertum durch die Annahme einer Komparsenrolle in JUD SÜSS vielleicht ausschlaggebender für sein Schaffen als bisher gedacht? Früh hat er sich zu seiner Feigheit bekannt. Hat Widersachern dadurch die Angriffsfläche entzogen. Konnte sich dadurch befreien von einer Scham, die andere Zeitgenossen oft ihr Leben lang zu vertuschen suchten. Staudte wurde nun ein politisch unbequemer Regisseur, weil er Verantwortung übernehmen wollte für eine Gesellschaft im demokratischen Sinne. Er war zu einem hellsichtigen Analytiker seiner Zeit geworden, der Tabu-Themen ansprach, auch lange, bevor man sie öffentlich hat wahrnehmen wollen. Schonungslose Selbstreflektion mit seinem Verhalten während Nazi-Deutschland und dem Krieg lebte er vor und forderte sie auch von anderen. Den Umgang mit Dersertion sprach er an, genauso wie die dilemmatische Rolle der Kirche, den Militarismus, Gehorsam und Untertanentum und vieles andere mehr. Das alles sind Themen über menschliches Verhalten, die nicht veralten. Staudtes Kriegsgegnerschaft resultiert aus der Einsicht, dass Krieg keinen Raum bietet für ethisches Verhalten. (Statement der Filmemacher)
DE 2026, R: Klaus Gietinger, Uschi Schmidt Lenhard, B: Klaus Gietinger, Uschi Schmidt Lenhard, FSK 18 (ungeprüft), 90 Min
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Wolfgang Staudte Gesellschaft