Vortrag Filmgespräch OmU

Verboten, verbrannt und verehrt

FAHRENHEIT 451

1 Einführung: Prof Sung-Hyung Cho, künstlerischer Film /Bewegtbild, HBK Saar

Eine triste, graue und kalte Szenerie in einer nicht allzu fernen Zukunft entfaltet sich vor unseren Augen. Menschen in einer Schwebebahn, schweigend, ins Nichts blickend. Die Häuser, die sie bewohnen, die Städte, in denen sie leben, ähneln bis aufs Haar der Gegenwart der 60er Jahre. So farblos wie das Grau dieser Architektur ist die soziale Architektur, die nur durch ein grelles, fast beißendes, brennendes Rot durchbrochen wird – das Rot der Feuerwehr, das wiederum durch das Schwarz der Kleidung der Feuerwehrleute kontrastiert wird. Diese Feuerwehr hat nicht die Aufgabe, Brände zu löschen, sondern zu legen. Die Häuser werden schon seit Jahren brandsicher gebaut. Sie werden bis in alle Ewigkeit stehen, nur, dass Ewigkeit und Gegenwart zu einem einzigen verschmolzen sind. Die Feuerwehr ist eine paramilitärische Einheit, nennt sich Fahrenheit 451, weil Papier bei dieser Temperatur (ca. 232̊ Celsius) verbrennt. Die Verbreitung, der Besitz und vor allem das Lesen von Büchern ist unter Strafe verboten.
Triuffaut zeigt die Rebellen, die Zuflucht in die Wälder nehmen, in ihrem Versuch, das Verbale als konstitutiven Ausdruck sozialer Vitalität wiederherzustellen, indem sie den Inhalt von Büchern auswendig lernen, um sie dann zu verbrennen und dadurch das Risiko der Verfolgung zu minimieren. Rebellion erscheint hier als Kehrseite des Totalitarismus. Das Subjekt wird, indem es sich ganz auf das Verbale konzentriert, andererseits zum Bewahrer des Verlorenen, Gefährdeten, Verfolgten, des der Vernichtung anheim Gegebenen – und wird dadurch paradoxerweise zur Kehrseite des Totalitären. Foucault benannte dieses Paradoxon, indem er schrieb, Macht sei weniger Ausdruck der Unterdrückung durch eine herrschende Klasse als vielmehr das Zentrum, um das sich eine Gesellschaft gruppiere. Zur Macht gehört die Ohnmacht wie der Teufel zum Weihwasser oder das Gute zum Bösen. (FIlmstarts)

UK 1966, R: François Truffaut, B: Jean-Louis Richard,François Truffaut, K: Nicolas Roeg, Sch: Thom Noble, D: Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, FSK 12, 109 Min

Unsere Kooperationspartner:

HBK Saar,
VHS des Regionalverbandes Saarbrücken

kino achteinhalb: FAHRENHEIT 451