Filmreif – Kino für Menschen in den besten Jahren
ALTE LIEBE
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Verleih)
Alte Liebe bricht mit den Routinen seiner Figuren weder für den komödiantischen Effekt, noch um dramaturgisch zugespitzte Reibereien zu erzeugen. Vielmehr ehrt der Film die Routine und den Bruch mit ihr als zentrale Bausteine langlebiger Liebe. Als Chance, einerseits die darin ruhende Kraft zu erkennen und sich ihrer zu ermächtigen, andererseits sich neu erfinden und ebenso neu ineinander verlieben zu können. (Kinozeit)
DE 2026, R: Andreas Dresen, B: Laila Stieler, Andreas Dresen, K: Michael Hammon, Sch: Jörg Hauschild, D: Dagmar Manzel, Joachim Król, Anna von Seld, FSK 0, 110 Min
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